Cannabis und Dopamin: Was passiert im Kopf?
Cannabis wurde von allen Seiten unter die Lupe genommen, die guten und die heiklen. Über viele Studien hinweg zeichnet sich ein Bild ab. Cannabis hat seine Vorzüge, und manche Nutzer berichten anekdotisch, dass es bei chronischen Schmerzen, Entzündungen und Krampfanfällen geholfen hat. Risiken bleiben aber bestehen, ganz unabhängig davon, ob es medizinisch nützt. Neuere Erkenntnisse zeigen: wer Cannabis über lange Zeit häufig konsumiert, kann Spuren im Gehirn hinterlassen.
Schauen wir uns also mal an, wie Cannabis und Dopamin eigentlich zusammenhängen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dopamin ist das sogenannte Glückshormon. Wird es ausgeschüttet, fühlt sich das gut an.
- Genau dieses gute Gefühl will das Gehirn wieder, und genau deshalb sind manche Lebensmittel und Substanzen so schwer aus dem Kopf zu kriegen.
- Sowohl zu viel als auch zu wenig Dopamin hängt mit Erkrankungen wie Parkinson, ADHS und Adipositas zusammen.
- THC bindet an CB1- und CB2-Rezeptoren und mischt damit das Dopaminsystem auf.
- CBD kann den Dopaminspiegel kurzfristig anheben und ihn mitregulieren.
- Wer über Jahre regelmäßig konsumiert, hat tendenziell weniger Dopamin. Aber: nach dem Absetzen erholt sich das Ganze schrittweise wieder.
Was ist Dopamin eigentlich, und warum ist es wichtig?
Dopamin, das Glückshormon, ist unser Tor zum Wohlgefühl. Es ist Teil des Belohnungssystems im Gehirn, das dafür sorgt, dass wir uns gut fühlen, und das den Wunsch auslöst, das, was uns glücklich macht, wieder und wieder zu erleben. Genau deshalb gehen wir nach einem leckeren Dessert (wenn man gerne Süßes mag) noch mal an die Schale. Bei Substanzen läuft das ganz ähnlich: Dopamin sorgt beim Cannabiskonsum für den starken Belohnungsmoment, und genau das kann zur Abhängigkeit führen. Dopamin steckt zudem in vielen anderen Körperfunktionen drin, von Bewegung, Motivation und Verhalten über Aufmerksamkeit, Schlaf, Stimmung und Lernen bis hin zur Milchproduktion. Auch im Kampf-oder-Flucht-Modus, also der Reaktion des Körpers auf Stress oder Gefahr, spielt es eine Rolle.
Zu hohe wie zu niedrige Dopaminspiegel hängen mit bestimmten Erkrankungen zusammen. Parkinson, Restless-Legs-Syndrom und ADHS werden mit niedrigem Dopamin in Verbindung gebracht. Manie, Adipositas und Suchterkrankungen eher mit hohem. Bei Schizophrenie kommt beides vor: Wahnvorstellungen und Halluzinationen können mit zuviel Dopamin zusammenhängen, fehlende Motivation mit zu wenig.
Wie greift Cannabis ins Dopamin ein?
Cannabis und andere Substanzen wie Heroin imitieren natürliche Botenstoffe und stören damit, wie Nervenzellen im Gehirn Signale weiterleiten. Sie überreizen das Belohnungszentrum, und wer das über Jahre wiederholt, kann erleben, dass bestimmte Bereiche des Gehirns weniger empfindlich reagieren. Heißt im Klartext: nichts fühlt sich mehr so gut an wie die Substanz selbst. Genau da setzt das Bedürfnis ein, mehr zu konsumieren, um den gleichen Effekt zu kriegen.
Cannabis und das Endocannabinoid-System
Das Endocannabinoid-System (ECS) ist sowas wie der Regler im Körper. Es steuert und reguliert viele Funktionen, vor allem Appetit, Immunsystem, Schlaf, Gedächtnis und Stimmung. Wir haben über hundert verschiedene Endocannabinoid-Rezeptoren im Körper, und jeder davon wirkt etwas anders. THC ist das Cannabinoid mit der berauschenden Wirkung, CBD dagegen nicht. Beide beeinflussen Dopamin, allerdings auf unterschiedlichen Wegen.
THC und Dopamin
THC bindet an CB1- und CB2-Rezeptoren und drängt damit Anandamid aus dem Weg, ein körpereigenes Endocannabinoid, das normalerweise für Glücksgefühle zuständig ist. Damit blockiert THC bestimmte Teile des Nervensystems und stört deren normale Arbeit. Eine Studie von 2017 zeigte: THC sorgt im Gehirn für einen kurzen Dopaminschub, der das Belohnungssystem aktiviert. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, warum THC euphorisch wirkt.
Wer dauerhaft konsumiert, dessen Gehirn passt sich an. Das Dopaminsystem stumpft etwas ab, um den Dauerschub auszugleichen. Das nennt sich Blunting. Die Folge: Belohnungen fühlen sich nicht mehr so belohnend an, motorische Feinheiten werden ungenauer, das Gedächtnis leidet, die Motivation sinkt. Auch die Emotionsregulation wird schwerer, was dazu führt, dass negative Gefühle häufiger durchkommen.
CBD und Dopamin
CBD (Cannabidiol) hat kein Suchtpotenzial im Gehirn. Heißt: langfristig wirkt es sich nicht negativ aus, auch wenn es den Dopaminspiegel kurzfristig anheben kann. CBD ist bekannt für seine recht eigene Wirkungsweise. Nutzer berichten, dass es bei Entzündungen und Schmerzen helfen kann. Anekdotisch wird auch von einem neuroprotektiven Effekt gesprochen, und manche sagen, es helfe bei Symptomen psychischer Belastungen wie Angstzuständen oder Depressionen. An CB1- und CB2-Rezeptoren bindet CBD aufgrund seiner Form nicht so wie THC. Deshalb wirkt es eher indirekt auf die Neuronen ein. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass CBD den Dopaminspiegel mitregulieren kann, je nach Bedarf nach oben oder unten.
Regelmäßiger Konsum drückt das Dopamin
Wer über Jahre regelmäßig oder stark Cannabis konsumiert, hat tendenziell weniger Dopamin. Das wirkt sich darauf aus, wie das Gehirn Motivation, Freude und Belohnung verarbeitet. Es kann die Motivation senken und negative Gefühle verstärken. Das ist eine der möglichen Erklärungen für die Verbindung zwischen Cannabis und psychischen Erkrankungen wie Psychosen, Angststörungen und Depressionen.
Die guten Nachrichten
Klingt erstmal nach schweren Geschützen, ist aber nicht das Ende der Geschichte. Sobald jemand THC absetzt, fängt das Gehirn an, sich zu erholen. Mit der Zeit findet das Dopaminsystem zu seiner früheren Empfindlichkeit zurück, also dahin, wo es vor dem langen Konsum war. THC tötet keine Gehirnzellen, es verändert nur, wie sie arbeiten. Solange die Zellen leben, gibt es Wege zurück.
Fazit
Cannabis bringt das Glückshormon Dopamin in Schwung, und das fühlt sich gut an. Der Körper merkt sich das und will mehr davon. Genau deshalb landen wir immer wieder bei Süßigkeiten oder Cannabis und können davon abhängig werden. Wer aber lange konsumiert, riskiert ein abgestumpftes Dopaminsystem und niedrigere Werte. Die gute Nachricht: nach dem Absetzen erholt sich das Ganze nach und nach, und der Dopaminhaushalt kann sich wieder einpendeln wie zuvor.