Cannabis und Depression: Was die Forschung sagt
Depression, häufig auch als klinische Depression bezeichnet, gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie verursacht gedrückte Stimmung, nimmt das Interesse an Dingen, die zuvor Freude bereitet haben, und wirkt sich auf Gedanken, Gefühle und Verhalten aus. Häufig kommen körperliche Beschwerden hinzu.
Bei einer Diagnose werden meist Antidepressiva oder Stimmungsstabilisatoren verschrieben. Die Erfolgsquote ist allerdings begrenzt: Manche Patienten sprechen auf die Medikamente nicht an, andere erreichen nie eine vollständige Remission. Manche greifen daher zu Cannabis. Einige Anwender berichten, es könne ihnen helfen, sich besser zu fühlen, und biete einen Weg, mit schweren Phasen umzugehen. Diese Hinweise ersetzen keine ärztliche Beratung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Depression ist eine häufige psychische Störung, die über lange Zeit gedrückte Stimmung oder Interessenverlust hervorrufen kann.
- Eine einzelne Ursache lässt sich nicht benennen. Mehrere Faktoren wirken zusammen.
- THC und CBD binden an Rezeptoren im Körper, was möglicherweise mit reduzierter Anspannung und reduzierten Angstsymptomen einhergeht.
- Eine Studie der University of Buffalo hat Hinweise gefunden, dass THC und CBD bei Belastung und Depression unterstützend wirken könnten. Weitere Forschung ist erforderlich.
- Depression kann das Risiko einer Abhängigkeit erhöhen.
- Cannabis kann die Depression auch verschlimmern, eine Schizophrenie auslösen oder zu einem Amotivationssyndrom führen.
Depression verstehen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Depression als häufige psychische Störung, bei der Betroffene über einen längeren Zeitraum gedrückte Stimmung erleben oder die Freude an Aktivitäten verlieren. Sie kann jeden Lebensbereich betreffen: zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz. Grundsätzlich kann jede Person betroffen sein, Frauen statistisch häufiger als Männer.
Typische Symptome
In einer depressiven Episode empfinden Betroffene häufig Traurigkeit, Reizbarkeit, Leere oder Hoffnungslosigkeit. Selbst alltägliche Handlungen wie Aufstehen oder Duschen werden zur Hürde. Die Stimmung schwankt, hält jedoch häufig den größten Teil des Tages an, nahezu täglich, über mindestens zwei Wochen. Hinzu kommen häufig:
- Veränderter Appetit oder veränderte Gewichtsentwicklung
- Anhaltende Müdigkeit, geringe Energie
- Schlafstörungen oder vermehrtes Schlafbedürfnis
- Schuldgefühle oder das Empfinden der Wertlosigkeit
- Gedanken an den Tod oder Suizid
- Gedanken an Selbstverletzung
- Konzentrationsprobleme
Ursachen einer Depression
Der britische National Health Service (NHS) hält fest, dass keine einzelne Ursache besteht. Depression entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel sozialer, psychologischer und biologischer Faktoren. Belastende Lebensereignisse, Arbeitslosigkeit, Trauerfälle oder traumatische Erlebnisse spielen eine Rolle. Wer Missbrauch, häusliche Gewalt oder familiäre Brüche erlebt hat, trägt ein höheres Risiko.
Die Wissenschaft hinter Cannabis und Depression
Beim Konsum von Cannabis reagiert der Körper mit der Ausschüttung von Neurotransmittern, die auf Gehirn und Körper wirken. Die körpereigenen Verbindungen, die Endocannabinoide, beeinflussen diese Neurotransmitter. Normalerweise hält das Gehirn ein Gleichgewicht aufrecht, das Empfindungen und Stimmung steuert. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, kommt es zu Traurigkeit, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen, den Hauptsymptomen einer Depression.
Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) binden an die CB1- und CB2-Rezeptoren und wirken laut Berichten auf das Gehirn. Sie könnten Anspannung und Angstsymptome reduzieren. Chronische Belastung und Angststörungen treten häufig zusammen mit Depression auf und können die Symptome verstärken.
Cannabis und mögliche Linderung depressiver Symptome
Wer an Depression leidet, greift häufiger zu Cannabis als Personen ohne Depression. Aktuelle Forschung zeigt, dass viele Betroffene Cannabis verwenden. Einige berichten, es könne ihre Symptome lindern. Dies zählt zu den häufigsten Gründen für den Konsum.
Die Forschung zu Cannabis und Depression steht erst am Anfang. Tiefergehende Belege fehlen. Erste Untersuchungen des Research Institute on Addictions (RIA) an der University of Buffalo befassen sich mit Endocannabinoiden, Depression und Belastung. Tierversuche deuten darauf hin, dass Cannabinoide wie THC und CBD beim Abbau von Belastung unterstützend wirken könnten, einem wichtigen Faktor bei Depression. Die FDA hat Cannabis bislang nicht zur Behandlung von Depression zugelassen. Eine aktuelle Studie vom März 2024 aus dem LVR-Universitätsklinikum Essen weist jedoch auf eine bemerkenswerte Beobachtung hin: Patienten berichteten unter medizinischem Cannabis von einem Rückgang der Schwere ihrer Depression.
Eine Studie aus dem Jahr 2018 deutet darauf hin, dass Cannabiskonsum kurzfristig mit niedrigeren Depressionswerten in Verbindung steht. Wiederholter Konsum brachte langfristig allerdings keine messbare Linderung. Eine Studie aus 2021 zeigte, dass Teilnehmer, die Cannabis und insbesondere CBD-reiche Produkte verwendeten, niedrigere Depressionswerte aufwiesen als Nichtkonsumenten. Zudem berichteten sie von einer höheren Lebensqualität und besserer Schlafqualität.
Cannabissorten von Siam Green, die im Zusammenhang mit Depression genannt werden
- Biscotti Mintz. Eine ausdrucksstarke Indica-Hybridsorte mit 22 bis 25 Prozent THC. Im medizinischen Bereich verbreitet wegen ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung. Anwender berichten, sie könne bei Anspannung und Depression unterstützen.
- Black Truffle. Eine Indica-Hybridsorte mit rund 18 Prozent THC und moderater psychoaktiver Wirkung. Geschätzt bei medizinischen Anwendern und im Freizeitbereich.
- Cozmic Frost. Eine Sativa-lastige Sorte (60 Prozent Sativa, 40 Prozent Indica) mit einem THC-Gehalt von 26 bis 30 Prozent. Ausgeprägte psychoaktive Wirkung. Manche Anwender betrachten sie als geeignete Wahl bei depressiven Verstimmungen.
- Grape Stank. Eine Hybridsorte mit therapeutischem Potenzial. Anwender berichten, dass sie mit einem THC-Gehalt von 22 bis 24 Prozent bei Beschwerden wie Depression, bipolarer Störung und chronischen Beschwerden unterstützen könne.
- Jealousy. Eine 50/50-Hybridsorte mit 28 bis 30 Prozent THC und 0 Prozent CBD. Ausgeprägte Wirkung, geeignet für Anwender, die nach Stimmungsaufhellung suchen.
Gesundheitliche Risiken beim Cannabiskonsum im Zusammenhang mit Depression
Depression ist ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Cannabis-Gebrauchsstörung (CUD), des medizinischen Begriffs für Cannabisabhängigkeit. Betroffene konsumieren häufiger oder verlassen sich auf Cannabis als Bewältigungsstrategie. Rund 30 Prozent der Cannabisnutzer werden im Laufe der Zeit abhängig. Wer vor dem 18. Lebensjahr beginnt, trägt ein deutlich höheres Risiko.
Weitere mögliche Risiken im Überblick:
Verstärkung der Depression. Die Wirkung variiert von Person zu Person. Cannabis hilft nicht jedem und kann die Symptome auch verschlimmern.
Amotivationssyndrom. Erhöhter Cannabiskonsum kann zu geringerer Lebenszufriedenheit, vermehrten Beziehungsproblemen und beruflichem Rückgang führen. Daraus kann sich das sogenannte Amotivationssyndrom entwickeln: Betroffene werden apathisch, ziehen sich sozial zurück und bewältigen ihren Alltag schlechter als zuvor.
Psychiatrische Störungen. Cannabis steht im Zusammenhang mit weiteren psychischen Erkrankungen wie Psychose, einer schweren Störung mit Realitätsverlust, Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Cannabis kann Schizophrenie oder Psychose auslösen.
Weitere mögliche körperliche und psychische Effekte:
- Eingeschränkte Bewegungskoordination
- Atemprobleme (vor allem beim Rauchen oder Verdampfen)
- Erhöhter Blutdruck
- Erhöhte Herzfrequenz
- Veränderte Sinneswahrnehmung
- Gedächtnisprobleme
- Verändertes Zeitempfinden
Hinweis: Hohe THC-Dosen erhöhen häufig Anspannung, Paranoia und Panikempfindungen. Wer Cannabis im Zusammenhang mit Depression in Erwägung zieht, sollte unbedingt eine qualifizierte Fachperson hinzuziehen.
Fazit
Eine Depression bedeutet langanhaltende gedrückte Stimmung, Reizbarkeit oder Interessenverlust. Vielfältige Faktoren spielen eine Rolle, etwa belastende Lebensereignisse wie der Verlust einer nahestehenden Person. THC und CBD aus Cannabis binden an die CB1- und CB2-Rezeptoren und sollen das Gehirn beeinflussen. Sie könnten Anspannung und Angst lindern, die bei Depression häufig auftreten. Die Beweislage reicht jedoch nicht aus, um Cannabis bei Depression zu empfehlen. Weitere Forschung ist erforderlich. Bei medizinischen Anliegen empfehlen wir die Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.