Kann Weed dich zum Kotzen bringen? Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS) erklärt
Cannabis ist für seine gesundheitlichen Vorteile bekannt. Manche Patienten setzen es sogar ein, um Nebenwirkungen der Chemo wie Übelkeit und Erbrechen abzufedern. Forscher haben angedeutet, dass die Cannabinoide in Cannabis in bestimmten Situationen besser gegen Übelkeit wirken können als manche klassischen Medikamente. Eine weitere Studienübersicht hat sogar gezeigt: Über 96 % der Cannabis konsumierenden Personen berichteten, dass ihre Übelkeit innerhalb einer Stunde nach dem Konsum nachließ.
Aber wusstest du, dass Weed dich auch in die genau andere Richtung schicken kann, also dir flau im Magen wird oder du sogar kotzen musst?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Weed kann tatsächlich zum Erbrechen führen. Das Ganze heißt Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS).
- Wer Cannabis über einen sehr langen Zeitraum konsumiert, in der Regel 10 bis 12 Jahre, hat ein höheres Risiko.
- Typische Symptome sind wiederkehrende Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen.
- Was genau CHS auslöst, ist bis heute nicht abschließend geklärt.
- CHS verläuft in 3 Phasen: Prodromalphase, hyperemetische Phase und Erholungsphase.
- Nicht jeder Cannabiskonsument bekommt CHS.
- Heiße Bäder können die Symptome lindern. Den Spuk wirklich beenden lässt sich aber meist nur, indem man komplett auf Cannabis verzichtet.
Kurz gesagt: Auf die Frage, ob Weed dich zum Kotzen bringen kann, lautet die Antwort JA. Und der Fachname für genau dieses Erbrechen nach dem Cannabiskonsum ist Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom, kurz CHS.
Was ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS) genau?
„Hyperemesis” steht für starkes, heftiges Erbrechen. Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom tritt auf, wenn nach langjährigem Cannabiskonsum immer wieder Schübe von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen kommen. Wichtig dabei: nicht jeder, der konsumiert, bekommt CHS. Die Schübe dauern meist 24 bis 48 Stunden und können zu Dehydration und Gewichtsverlust führen. Wer CHS hat, kann schon bei kleinen Mengen heftige Symptome bekommen. Forscher sagen ganz klar: Der beste Weg, CHS aus dem Weg zu gehen, ist, mit dem Konsum aufzuhören.
Und was steckt eigentlich dahinter? Gute Frage.
Die ehrliche Antwort lautet: Niemand weiß es genau. Es gibt aber eine plausible Theorie. CHS könnte entstehen, wenn die Rezeptoren im körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS) über sehr lange Zeit überreizt werden, sodass die Steuerung von Übelkeit und Erbrechen aus dem Takt gerät. Wie gesagt, längst nicht jeder Langzeitkonsument bekommt CHS. Aber wer 10 bis 12 Jahre durchgehend konsumiert, hat ein deutlich höheres Risiko.
Welche Symptome treten auf?
CHS macht sich meist erst nach mehreren Jahren intensiven Konsums bemerkbar. Typische Anzeichen sind:
- Anhaltende Übelkeit, oft schon direkt morgens
- Wiederholtes Erbrechen und Würgen
- Heftige Bauchschmerzen
- Appetitlosigkeit
Wie heftig es wird, hängt von der Phase ab. Drei Hauptphasen gibt es:
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Prodromalphase: Die häufigste Phase bei Leuten, die schon als Teenager mit Cannabis angefangen haben. Bauchschmerzen oder morgendliche Übelkeit, manchmal Angst vor dem Erbrechen, aber ohne dass es wirklich passiert. Diese Phase kann sich über Monate oder Jahre ziehen.
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Hyperemetische Phase: Diese Phase dauert in der Regel 24 bis 48 Stunden. Wiederkehrendes Erbrechen, Übelkeit und Dehydration sind hier an der Tagesordnung. Manche meiden bestimmte Lebensmittel oder essen bewusst weniger.
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Erholungsphase: Setzt ein, sobald du den Konsum komplett einstellst, auch kleine Mengen. Nach ein paar Tagen oder Monaten lassen die Symptome nach und verschwinden ganz. Normales Essen geht wieder, aber sobald du wieder zu Cannabis greifst, kommt CHS zurück.
Wie wird das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom behandelt?
Bei starkem Erbrechen kann ein Gang in die Notaufnahme nötig sein. Dort gibt es in der Regel Infusionen gegen die Dehydration, Medikamente gegen Schmerzen und Erbrechen oder den Tipp, häufig heiß zu duschen. Wirklich loswerden lässt sich CHS aber nur, indem man komplett auf Cannabis verzichtet. Die Symptome können nach dem Stopp mit Weed noch eine Weile nachhängen, gehen mit der Zeit aber weg.
Cannabis hilft doch gegen Übelkeit. Warum löst es sie dann auch aus?
Die Forschung sucht hier noch nach klaren Antworten. Eine Möglichkeit ist die schiere Dosis. Heutige Produkte haben einen THC-Gehalt von rund 15 bis 20 %. In den 90ern lag der oft nur bei 4 bis 5 %. Ein anderer Ansatz: Cannabis enthält über 100 aktive Verbindungen. Manche docken an Rezeptoren im Hirn an und dämpfen Übelkeit, andere greifen im Magen-Darm-Bereich an und befeuern das Erbrechen. Fachleute vermuten, dass CHS-Schübe entstehen, wenn dieses Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Viele Betroffene konsumieren dann sogar mehr, weil sie hoffen, das Brechreizgefühl damit in den Griff zu bekommen. In Wahrheit verstärken sie es genau dadurch.
Auf den Punkt
Cannabis kann Übelkeit lindern und genauso gut auslösen, weil die vielen aktiven Cannabinoide an Rezeptoren wirken, die sowohl Anti-Brechreiz- als auch Pro-Brechreiz-Reaktionen steuern. Wer über lange Zeit häufig konsumiert, vor allem ab dem Teenageralter, entwickelt eher ein Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS). Trotzdem trifft es längst nicht jeden Langzeitkonsumenten. Wer CHS hat, kämpft mit wiederkehrender Übelkeit (oft morgens), Erbrechen und heftigen Bauchschmerzen. Der zuverlässigste Weg, die Symptome zu beenden, ist und bleibt: aufhören mit dem Konsum.